Mythos Mittelerde

Tolkien und die Schöpfung

J.R.R. Tolkien wurde 1892 in Südafrika geboren, wuchs in England auf und war Professor für Angelsächsisch in Oxford. Sein Interesse galt den altenglischen Mythen, davon besonders dem Beowulf-Mythos. Tolkien selbst erschuf zunächst vor allem seine eigenen Sprachen – und das schon seit seiner Jugend. Doch fehlte ihm der mythologische Hintergrund. Esperanto, eine im 19. Jahrhundert entwickelte Welthilfssprache, sei laut Tolkien tot, weil die Autoren keine Esperanto-Legenden erschufen. Mit dieser Erkenntnis war der Grundstein für Tolkiens Mythologie gelegt. Schon als Soldat im ersten Weltkrieg entwickelte Tolkien das erst 1977 – nach seinem Tod – veröffentlichte Silmarillion, welches kosmogonische Legenden beinhaltet: Mittelerde war geboren.

Tolkien war der Ansicht, in England sei keine Mythologie erhalten geblieben, die mit der finnischen, germanischen oder keltischen vergleichbar wäre. Dies führte er zum Teil auf die Grausamkeiten der normannischen Fremdherrschaft ab 1066 zurück, durch die vieles der angelsächsischen Kultur verloren ging. Selbst die bekannte Arthus-Geschichte stammt ursprünglich aus Frankreich. Tolkiens Vorhaben war es, England wieder eine Mythologie zu geben. Das "Englische" in Tolkiens Werken findet man vor allem in den Hobbits und ihrer Heimat, dem Auenland wieder. Tolkien selbst sagte von sich, er sei in fast jeder Hinsicht ein Hobbit.


1 2 3 4 5 6