Laozi und das Daodejing

Laozi

Biografie

Laozi wurde im 6ten Jahrhundert v. Chr. in der Provinz Henan geboren. Legenden berichten, dass er mit weißem Haar geboren wurde, nachdem er acht oder achtzig Jahre im Bauch seiner Mutter verbracht hat. Daher leitet sich auch sein Titel ab, der sowohl als "alter Meister" als auch als "altes Kind" interpretiert werden kann.

Laozi arbeitete als Geschichtsschreiber in der Kaiserlichen Bibliothek am Hofe der Zhou Dynastie. Konfuzius traf in dieser Bibliothek auf Laozi und diskutierte die nächsten Monate mit ihm über Ritual und Gerechtigkeit. Laozi aber beschloss schließlich, ihm eine – aus seiner Sicht – ehrliche Antwort zu geben. Konfuzius hatte sich wahrscheinlich etwas anderes vorgestellt und soll dann schnellstmöglich wieder abgereist sein. Daoisten behaupten, dass diese Diskussionen für Konfuzius lehrreicher waren, als der gesamte Inhalt der Bibliothek.

Als er Chaos und Verfall des Reiches vorhersah, legte Laozi seine Arbeit nieder, schwang sich auf seinen Wasserbüffel und machte sich auf nach Westen, um sich zurückzuziehen und in seinem Inneren das zu bewahren, was der Welt im Äußeren abhanden gekommen war: den Frieden. Den Legenden zufolge traf er am Grenzpass des Reiches den Grenzwächter, der den Weisen bat, ihm und der Nachwelt Ratschläge zu geben und Auskunft zu erteilen zu welchen Einsichten er gekommen war. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Laozi seine Weisheit nur mündlich weitergegeben, was auch bei Jesus, Buddha und Konfuzius der Fall war. Das Resultat war das Daodejing. Laozi teilte sein Werk in zwei Abschnitte, bestieg seinen Wasserbüffel und verschwand. Er wurde unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 160 und 200 Jahre alt.

Die Geschichtsforschung zeigt, dass Laozi so nicht existiert haben kann. Konfuzius Geburtsjahr 551 v. Chr. kann als historisch verbürgt angesehen werden kann. Laozi taucht erst ca. 300 Jahre später erstmals in den Aufzeichnungen auf. Eine Diskussion zwischen beiden kann nicht stattgefunden haben. Dass der Name Laozi immer nur in Verbindung mit dem Daodejing erwähnt wird, die Person Laozi aber in keinem anderen Text auch nur einmal eigenständig auftritt ist umso erstaunlicher, da die chinesische Tradition bedeutende Persönlichkeiten immer mit viel Sorgfalt beschreibt und ausführlich erwähnt. Konfuzius ist hierfür der beste Beleg.

Laozi ist unter verschiedenen Namen bekannt: Sein Sippenname war Li, sein Vorname Er (Ohr), sein Gesellschaftsname Boyang. Ein anderer Name für ihn ist Dan (Ohr ohne Rand). Tai Shi Dan war kein Name Laozis. Falls eine reale Person hinter dem legendärem Laozi steckt, so könnte es aber dieser sein. Zwei Sachverhalte sprechen dafür, dass es sich bei beiden um die selbe Person handelt: Laozis Geburtsort im Ku-Bezirk des Lehnstaat Chu wurde erst 479 v. Chr. vom Lehnstaat Chu erobert – viel zu spät um Laozi zum Zeitgenossen Konfuzius zu machen, aber für den Geschichtsschreiber Tai Shi Dan um 350 v. Chr. absolut passend. Auch der Sohn des Laozi, der General im Staat Wei wurde, kann dies erst nach 403 v. Chr. geworden sein – denn erst da wurde Wei gegründet.

Laozi als Gottheit

Ab dem 2ten Jahrhundert entwickelt sich Laozi zum Hochgott des Daoismus und wurde als einer der Drei Reinen verehrt. Er gilt als Verkörperung des Dao und wurde kosmisiert. Man nahm an, er weile im Sternbild des Scheffels (Großer Bär) und steige auf und ab als Vermittler zwischen der himmlischen und der irdischen Welt. Laozi wandelt sich mit den Zyklen der Zeit und nimmt vielerlei Formen an. Er ist, gleich dem Dao, in der Lage, sich ins Unendliche auszudehnen und unendlich klein zu werden. Laozis Existenz geht dem Universum voraus und er tritt in ihm als Gestalter der kosmischen Ordnung – des Dao – auf.

Es ist nahe liegend, dass Laozi, sofern er gelebt hat eine solche Verherrlichung strikt abgelehnt hätte.


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